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Ist „Kaiserschnitt die ideale Lösung?“
Eine engagierte Podiumsdiskussion und viele Fragen
Dienstag, 29. Dezember 2009
Fast 30% der Kinder in Wien kommen per Kaiserschnitt auf die Welt, in manchen Spitälern liegt die Rate bereits bei 50-60% der Geburten. Wenn immer mehr Frauen mit Kaiserschnitt entbinden, wirft dies Fragen auf, die weit über das jeweilige Geburtsereignis hinausgehen.
Kaiserschnitt ist ein Thema, das nicht nur Frauen angeht. Darin waren sich alle DiskussionsteilnehmerInnen im Saal einig, darunter einige Männer. Zwischen Podium und Publikum entwickelten sich rege Dialoge, was auch an den zahlreich anwesenden Hebammen lag.
Alle ExpertInnen betonten, dass ein Kaiserschnitt nicht leichtfertig durchgeführt werden sollte, da es sich um keinen kleinen Eingriff handle. Jede Frau sollte daher rechtzeitig und eingehend mit Arzt oder Ärztin über die möglichen gesundheitlichen Folgen sprechen.
Speziell hingewiesen wurde auf die Wichtigkeit von Geburtsvorbereitungskursen und Hebammen. Vor allem da es von der MA15, dem Gesundheitsdienst der Stadt Wien, die Möglichkeit gibt, während der gesamten Schwangerschaft kostenlos die Unterstützung einer Hebamme in Anspruch zu nehmen. (http://www.wien.gv.at/ma15/hebammen.htm)
Anwesende Schwangere sprachen die große Verunsicherung an, die manche Frau fühlt, wenn gerade der eigene Arzt oder die eigene Ärztin zum Kaiserschnitt raten. Hier wurde von den ExpertInnen empfohlen, mehrere Meinungen einzuholen. Auch wurde nochmals die wichtige Rolle der Hebammen unterstrichen, die während der Schwangerschaft helfen können, Ängste abzubauen.
Die ExpertInnen warnten außerdem vor den Folgen, die der Trend zum Kaiserschnitt in Spitälern und auf die Lehre haben wird. Wenn junge ÄrztInnen heute etwa Mehrlingsgeburten oder Geburten mit schwierigeren Kindslagen automatisch mit Kaiserschnitt durchführen und andere Möglichkeiten gar nicht mehr in Betracht ziehen, wird wertvolles traditionelles Wissen verloren gehen. Was aber, wenn die Frauen in zehn oder zwanzig Jahren wieder natürlich gebären wollen, wenn der Kaiserschnitt wieder „out“ ist? Wer wird dann noch wagen oder überhaupt fähig sein, auch anspruchsvollere Geburten anzuleiten?
Fazit der Veranstaltung: Endlich darüber zu reden tat gut, die Vielfalt der offenen Fragen unterstrich die Wichtigkeit des Themas. Im Rahmen einer umfassenden Studie, die das Wiener Programm für Frauengesundheit an allen Spitälern durchführen wird, soll ihnen nun gründlich nachgegangen werden.
ExpertInnen am Podium:
Dr. Bernhard Bartosch, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Renate Grossbichler, Präsidentin des Hebammen-Gremiums,
Drin Claudia Neudecker, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Krankenanstalt Rudolfstiftung,
Univ.Prof. Dr. Karl Philipp, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Abteilungsvorstand der Gynäkologischen und Geburtshilflichen Abteilung des SMZ-Ost, Primar Dr. Klaus Vavrik, Facharzt für Pädiatrie, Psychotherapeut,
Nikola Werl-Gaudernak, Mutter von vier Kindern, Physiotherapeutin, Osteopathin
a.o. Univ.Profin Drin Beate Wimmer-Puchinger, Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, Klinische und Gesundheitspsychologin.
Moderation: Martina Rupp.
Familienhebammen der MA 15 – http://www.wien.gv.at/ma15/hebammen.htm
Veranstaltungsfotos zum Download
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