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Kompetent sexuelle Probleme erkennen und lösen
Erste Ärztegeneration schließt sexualmediznische Grundausbildung ab.
Dienstag, 18. Mai 2010
„Die Qualität der ärztlichen Aus- und Weiterbildung ist ein wichtiger Faktor in einem guten Gesundheitswesen“, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger, diplôme, anlässlich der Feierlichkeiten rund um die ersten AbsolventInnen der sexualmedizinischen Grundausbildung im Rahmen der Akademie für Sexuelle Gesundheit in Wien: „Eine fundierte sexualmedizinische Ausbildung kann Wesentliches für die Prävention von Folgeerkrankungen beitragen und ist deshalb mehr als begrüßenswert“, setzte der Gesundheitsminister hinzu.
35 Ärztinnen und Ärzte absolvierten in den vergangenen Monaten die sexualmedizinische Grundausbildung, die von der Sexualmedizinerin Dr.in Elia Bragagna organisiert und von einem hochkarätigen ReferentInnen-Panel getragen wurde. „Viele ÄrztInnen wissen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen, weil sie dazu nicht ausgebildet wurden“, berichtet Bragagna ihre Motivation zur Erarbeitung des Lehrganges. „Dabei haben fast alle Krankheiten und psychosozialen Faktoren einen starken Einfluss auf das Sexualleben.“
AllgemeinmedizinerInnen, GynäkologInnen, eine Internistin und ein Chirurg gehörten zum Teilnehmerfeld, das innerhalb eines halben Jahres grundlegende sexualmedizinische Kenntnisse zu Anatomie, Physiologie, Endokrinologie und Psychologie erhielt. Ein weiterer Schwerpunkt war die Darstellung der wichtigsten funktionellen sexuellen Störungen, sowie deren somato-psycho-soziale Ursachen und Therapierbarkeit.
„Heute werden wir HausärztInnen viel häufiger von Patientinnen und Patienten auf sexuelle Probleme angesprochen als noch vor 20 Jahren“, erläuterte Dr. Reinhold Glehr, Präsident der AllgemeinmedizinerInnen: „Eine sexualmedizinische Ausbildung gewinnt daher stark an Bedeutung.“ Für Glehr ist „ein umfassender Zugang zu den Problemen, mit Berücksichtigung von biologischen und psychosozialen Aspekten, wie es dem allgemeinmedizinischen Grundkonzept entspricht, dabei unbedingt erforderlich.“
Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Prim. Dr. Walter Dorner freute sich ebenfalls über die Initiative der Akademie für Sexuelle Gesundheit: „. Sie verleiht das Rüstzeug für den Umgang mit sexuellen Fragestellungen der Patientinnen und Patienten.“
Lücke in der Ausbildung
Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gibt es während des Medizinstudiums in Österreich keine sexualmedizinische Grundausbildung und auch keinen Ausbildungslehrgang zu diesem Thema.
Tabuthemen aufbrechen
Auch der Präsident des Berufsverbandes der GynäkologInnen, Dr. Michael Elnekheli zeigte sich erfreut über die Initiative der Akademie für Sexuelle Gesundheit: „Eines der letzten Tabuthemen kann durch ärztliches Handeln dann aufgebrochen werden, wenn die Ärztin/der Arzt innerhalb der Sicherheit einer Ausbildung agieren kann“, schrieb Elnekheli in einer Grußadresse an die Akademie und die AbsolventInnen. „Eine gute Ausbildung ermöglicht der Ärztin/dem Arzt die nötige Offenheit im Erkennen, Ansprechen und Behandeln von Sexualstörungen.“
Netzwerke bilden
Dieser Ansicht ist auch seine Stellvertreterin, die Gynäkologin Dr.in Doris Linsberger, Funktionärin der Niederösterreichischen Ärztekammer, tätig unter anderem im Fortbildungs- und Frauenreferat. „Diese Ausbildung hat sicherlich auch eine Signalwirkung gegenüber den PatientInnen, wir haben jetzt endlich die Chance, diese sensiblen Themen zu kommunizieren, die Ausbildung stellt einen Weg aus der Sprachlosigkeit bei diesem Thema dar.“ Die Frauenärztin hat die sexuelle Grundausbildung auch selbst absolviert: „Für mich ist vor allem die Interdisziplinarität der Ausbildung im Sinne und zum Wohle der PatientInnen wichtig“, führte sie weiter aus: „Ein solches Netzwerk ermöglicht eine Zusammenarbeit aller Fachgruppen für unsere PatientInnen.“
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