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Stellungnahme: Nein zur Stigmatisierung von adipösen Menschen

Adipositas ist eine Krankheit und braucht gesamtgesellschaftlichen Lösungsansatz

Donnerstag, 19. August 2010

Meldungen aus Großbritannien sorgen auch in Österreich für heftige Diskussionen: Das britische Gesundheitsministerium möchte, dass ÄrztInnen Menschen mit Adipositas zukünftig als „fett“ bezeichnen, um sie zum Abnehmen zu motivieren. Diese Stigmatisierung und Diskriminierung ist klar abzulehnen.


WaageKlSchon jetzt ist die Diskriminierung und Stigmatisierung adipöser Menschen massiv: Studien zeigen, dass sie zu den am stärksten diskriminierten Gruppen in unserer Gesellschaft gehören. Sie werden bei der Jobsuche von PersonalistInnen überdurchschnittlich häufiger abgelehnt, haben weniger Freunde, bekommen schwerer einen Partner/eine Partnerin. Kinder mit großem Übergewicht werden bereits im Kindergarten gehänselt, ihre Lebensqualität liegt – Studien zufolge – hinter jener von Kindern, die an Krebs erkrankt sind.


Diskriminierung verschlimmert das Problem

Adipositas ist laut WHO eine chronische Erkrankung mit einer komplexen Ätiologie und erfordert einen umfassenden Behandlungsansatz. Das Vorhaben, chronisch kranken Menschen durch eine weitere Diskriminierung als „Fette“ „helfen“ zu wollen, ist ethisch extrem fragwürdig. Es gemahnt an Zeiten, in denen man Alkoholkranke als SäuferInnen, psychiatrische PatientInnen als IdiotInnen und behinderte Menschen als Krüppel bezeichnete.

Der in Großbritannien vorgeschlagene „Behandlungsansatz durch soziale Ächtung“ widerspricht jeder wissenschaftlichen Erkenntnis. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Stigmatisierung und Diskriminierung bei adipösen Personen zu einer dauerhaften Gewichtsabnahme führen. Im Gegenteil, der psychische Druck auf die Betroffenen wird erhöht und die Betroffenen versuchen immer angestrengter mit Hilfe von unadäquaten und gesundheitsschädlichen Maßnahmen, wie Diäten und ungesundem Essverhalten, Einfluss auf ihr Gewicht zu nehmen. Und das führt nicht nur zu weiterem Übergewicht durch den unvermeidbaren Jojo-Effekt, sondern bahnt nicht selten auch den Weg zu manifesten Essstörungen.

Die pauschale Stigmatisierung von übergewichtigen Menschen weist zusätzlich eine  nicht unbedeutende „Nebenwirkung“ auf: Schlankheit wurde in den letzen Jahrzehnten derart überidealisiert, dass selbst normalgewichtige Menschen sich zu dick empfinden und gestörtes Essverhalten, Essstörungen ebenfalls ansteigen. Magersucht und Adipositas sind zwei Seiten der selben Medaille und markieren jeweils die Endpunkte eines Kontinuums normierter Körperbilder.


Prävention auf allen Ebenen ist notwendig

Es braucht etwas anderes als sogenannte „Erziehungsmaßnahmen“, um der immer größer werdenden Anzahl von stark übergewichtigen Menschen zu helfen. Es braucht Präventionsmaßnahmen auf allen Ebenen der Gesellschaft beginnend im Kleinkindalter, die Achtung der Vielfältigkeit menschlicher Körperformen und die Akzeptanz des neuen Paradigmas „Health at any Weight“.

Der/die Einzelne trägt Verantwortung für seine/ihre Gesundheit, diese wird aber durch soziale, finanzielle, biologische Umweltfaktoren eingeschränkt. Tatsächlich fördert die derzeitige bewegungsarme Überflussgesellschaft Adipositas. Eigenverantwortung kann dann eingefordert werden, wenn Menschen in einem gesundheitsfördernden Umfeld leben und gesunde Entscheidungen getroffen werden können.



Eine Stellungnahme des Wiener Programms für Frauengesundheit:

  • ao. Univ. Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger 
    Frauengesundheitsbeauftragte und Leiterin des Wiener Programm für Frauengesundheit
  • Mag.a Michaela Langer
    Stv. Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit


Im Konsens mit (in alphabetischer Reihenfolge):


Presseaussendungen:

Wiener Programm für Frauengesundheit

Ärztekammer für Wien

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