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Harninkontinenz

Harninkontinenz (= Blasenschwäche) ist die Unfähigkeit, den Urin bewusst zurückzuhalten. Harninkontinenz kann die unterschiedlichsten Gründe haben und betrifft Menschen in jedem Lebensalter, kommt jedoch vermehrt mit zunehmendem Alter vor. In Österreich sind geschätzt 1.000.000 Menschen von Harninkontinenz betroffen, davon ca. 85% Frauen. Dies vor allem aufgrund der Belastungen des weiblichen Lebenszyklus in Folge von Schwangerschaft, Geburt, hormonellen Veränderungen während der Menopause, weiters durch schweres Heben und Übergewicht. Durch den unkontrollierbaren Harnverlust fühlen sich viele Frauen belastet, was zur Folge hat, dass sie ihr Problem verbergen. Da es ihnen peinlich ist darüber zu reden, nehmen sie die Harninkontinenz resignierend in Kauf. Die Frauen ziehen sich zurück, wodurch Freundschaften und weitere Kontakte verloren gehen.

Dies muss nicht sein, denn Harninkontinenz ist kein unvermeidbares Schicksal mehr, sondern kann gezielt behandelt werden.

Quelle: Folder „Alles unter Kontrolle.-Selbst ist die Frau: Was Sie für Ihre Blase tun können...“, Wiener Frauengesundheitsprogramm, 2005

 

Welche Formen der Inkontinenz gibt es?

  • Dranginkontinenz
    10 – 25% der Inkontinenzfälle bei älteren Frauen, die Symptome sind vermehrter Harndrang, häufiges Urinieren auch nachts und die Toilette kann nicht rechtzeitig erreicht werden.
  • Belastungsinkontinenz
    40-75% der Inkontinenzfälle, hauptsächlich bei Frauen nach Geburten und in der Menopause, unkontrollierter Harnverlust (ohne Harndrang) beim Husten, Niesen, Lachen oder bei körperlicher Aktivität.
  • Mischinkontinenz
    Eine Mischung aus Belastungs- und Dranginkontinenz.
  • Überlaufinkontinenz
    Häufiger bei Männern, kommt aber auch bei Frauen vor, Symptome sind unkontrollierter Urinverlust bei voller Blase ohne die Entleerung aktiv auslösen zu können, körperliche Ursachen sind Gebärmutter- oder Blasenvorfall und Harnröhrenverschluss.
  • Funktionelle Inkontinenz
    Bei AlterspatientInnen oder durch neurologische Störungen im Miktionszentrum (Querschnittleähmung, Rückenmarkstumoren, Bandscheibenvorfall, etc.)
  • Extraurethrale Inkontinenz
    Ständiges Harnträufeln infolge einer Fistelbildung zwischen ableitenden Harnwegen und Genitalen, nach Operationen, Geburten, Bestrahlungen oder Verletzungen.
  • Reflexinkontinenz
    Ursache sind neurologische Störungen im Miktionszentrum, Querschnittlähmung, Rückenmarkstumore, Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfall oder Entzündungen.


Welche Risikofaktoren im Zusammenhang mit Harninkontinenz gibt es?

  • Geschlecht
  • Alter (Frequenzverdoppelung zwischen 45 und 85)
  • Schwangerschaft (30-60%, meist Besserung nach der Geburt)
  • Geburt (Anzahl der Geburten, Geburtskomplikationen)
  • Menopause (hormonell bedingte Verdünnung / Austrocknung des genitalen Gewebes führt zu erhöhter Anfälligkeit für Blaseninfektionen)
  • Hysterektomie
  • Übergewicht (Strapazierung des Beckengewebes durch Übergewicht)
  • Bindegewebsschwäche
  • Chronische Bronchitis, Diabetes mellitus, Polyneuropathie, Schlaganfall
  • Blaseninfektionen
  • Schlechte Bewegungsfähigkeit
  • Alzheimer, Parkinson, Demenz

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Harninkontinenz gibt es?

Die Behandlung unterscheidet sich je nach Typ der Harninkontinenz. Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Blasentraining / Verhaltenstraining / Toilettentraining
    Ziel ist eine Steigerung der Blasenkapazität. Bei leicht inkontinenten Frauen, aber auch anderen Formen der Harninkontinenz. Toilettentraining für Patientinnen mit Gehbehinderungen, d.h. fixe Zeiten für Blasenentleerung unabhängig vom Harndrang.
  • Beckenbodentraining (nach dem Erfinder Arnold Kegel auch „Kegelübungen“ genannt)
    Besserung bzw. Verhinderung einer Verschlechterung der Harninkontinenz sowie auch Stuhlinkontinenz und sexueller Funktionsstörungen. Auch wichtigste Präventionsmaßnahme, Erstanleitung möglichst durch geschulte Physiotherapeutin
  • Zur Unterstützung des Muskeltrainings: Biofeedback
    Durch verschiedene Studien wurde der Nachweis erbracht, dass Biofeedback bei manchen Patientinnen den Effekt des Beckenbodentrainings verstärken kann.
  • Hormonbehandlung
    Östrogengaben in der Postmenopause bei immer wieder auftretenden Blasenentzündungen zum Aufbau der Schleimhaut in der Scheide, Harnröhre und Blase (v.a. lokale Anwendungen), um Infektionen der Harnwege vorzubeugen. 
  • Medikamente
    Medikamentöse Therapien werden laufend entwickelt. Darüber informiert Sie gerne Ihr/e Arzt/Ärztin des Vertrauens.
  • Operation
    Nur wenn sowohl physiotherapeutische als auch medikamentöse Behandlungen bereits erfolglos waren. Es gibt sehr viele verschiedene Operationsverfahren, die in Österreich am häufigsten angewendeten Methoden sind:
    Stabilisierung der Harnröhre durch
    • Legen einer Schlinge aus gewebsfreundlichem Kunststoff um die Harnröhre (sogenannte TVT-Operation)
    • Fixierung mit Nähten am Beckenknochen (sogenannte Kolposuspension) 

Injektion von verschiedenen Kunststoffmaterialien um die Harnröhre herum als Stütze für schwachen Schließmuskel bei Stress-Inkontinenz 

  • Psychosomatisch orientierte Diagnostik und Therapie von Miktionsstörungen
    • Als ein erlerntes Fehlverhalten auf eine unspezifische psychosoziale Stresssituation
    • Als ein Teil einer funktionellen Sexualstörung
    • Als körperlicher Ausdruck eines verdrängten Gefühls (Wut, Enttäuschung)
    • Im Rahmen einer chronisch-vegetativen Fehlsteuerung mit unbewussten interpersonalen und psychosexuellen Konflikten
    • Als Ausdruck einer gestörten Kommunikation in Partnerschaft und Familie
    • Als Reaktion auf Verlust und Kränkungserlebnisse im Rahmen einer umfassenden seelischen Erkrankung z.B. lavierte Depression, Konversionshysterie, einer chronifizierten Zwangsneurose.

Wir danken für die fachkundige Durchsicht Herrn Univ.Prof. Dr. Engelbert Hanzal, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, Klinische Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe 


 

Projekte des Wiener Programms für Frauengesundheit zum Thema Harninkontinenz:

Deutschsprachiger Informationsfolder „Selbst ist die Frau: Was Sie für Ihr Blase tun können...“
Diesen Folder können Sie als pdf-Datei  herunterladen und unter der Bestellhotline 05 05 379-100 bestellen.

Alles unter Kontrolle“ hieß ein Informationsprojekt zu Prävention und Therapie von Harninkontinenz bei Frauen.  
Das Wiener Frauengesundheitsprogramm entwickelte 2004 in enger Zusammenarbeit mit der Kontinenzberatung des Fonds Soziales Wien das Konzept der wienweiten Initiative „Alles unter Kontrolle“ mit dem Ziel, die Frauen zu Prävention und Therapie zu ermutigen. Denn auch jede geringfügige Verbesserung bringt den Frauen mehr Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung und Selbstkontrolle, sowie Selbstbewusstsein und Selbstkompetenz. Angesichts der großen Anzahl inkontinenz-bedingter Einweisungen ins Pflegeheim ist die gesundheitspolitische Relevanz des Themas evident.

 

Wo Sie Rat und Hilfe finden:

Persönliche Beratung bietet die Kontinenzberatung des Fonds Soziale Wien in den Beratungszentren für Pflege und Betreuung. Ein Besuch oder auch nur ein anonymer Anruf in einer der Beratungsstellen könnte Ihre Lebensqualität sehr stark verbessern! Sie werden von Fachschwestern für Kontinenzberatung betreut. Wichtig: Ein persönliches Gespräch ist nur nach telefonischer Terminvereinbarung möglich.

 

  • Kontinenzberatung des FSW: Laudongasse 29-31, 1080 Wien

Montag bis Donnerstag 8.00 - 18.00, Freitag 7.30-15.30 Uhr, nach telefon. Vereinbarung: Tel: 01-4000-66503

Homepage: Kontinenzberatung des Fonds Soziales Wien

E-Mail-Beratung: kontinenz@fsw.at

 

 

  • Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich - Hotline 0810/100455 

          http://www.inkontinenz.at/betroffenen_info.htm

 

Was bietet die Frauengesundheit auf internationaler Ebene?

Gesundheitsförderungsprogramme für Frauen in der dritten Lebensphase sind von zunehmender Präsenz. Ein Thema, das international bewegt, ist Beratung und Unterstützung für Frauen mit Kontinenzproblemen. Angebote und Forderungen lassen sich hierzu auch auf internationalem Level zusammenfassen:

Beratungsstellen, Enttabuisierung des Themas „Inkontinenz“ in der Öffentlichkeit, Informationsfolder („ Incontinence - Everything You Wanted to Know But were Afraid to Ask“, USA) (auch mehrsprachig), Aufmerksammachen auf die Risikofaktoren von Inkontinenz (National Association For Continence, USA / New Zealand Continence Association), sowie Angebote zur Prävention von Inkontinenz (The Canadian Continence Foundation / management of stress urinary incontinence (SUI), Can. / The Continence Foundation, GB. / Continence Foundation of Australia)..


England:

 

 

USA:

 

          http://www.kidney.niddk.nih.gov/KUDiseases/pubs/uiwomen/index.aspx

 

Kanada:

 

 

Australien:

 


Neuseeland:

 

 

Literatur

  • Epidemiology and natural history of urinary incontinence. S.Hunskaar, E.P.Arnold, K.Burgio et al., Int. Urogynecol J, 2000, vol. 11, pp 301-319
  • Burgio et. al.: The role of biofeedback in Kegel exercise training for stress urinary incontinence. AmJ Obstet Gynecol 1986; 154: 58-64
  • Castleden et al.: The effect of Physiotherapy on Stress Incontinence. Age and Ageing (1984) 13, 235-237
  • Cardozo et al.: Idiopathic bladder instability treated by biofeedback. Br J Urol 50: 521, 1978: 81% Verbesserung der Symptome (27PatientInnen)
  • Dugan E, Cohen SJ, Bland DR, Preisser JS, Davis CC, Suggs PK, McGann P: The association of depressive symptoms and urinary incontinence among older adults. J Am Geriatr Soc 2000 Apr;48(4):413-6
  • Fonda, D., NM.Resnick, R.Kirschner-Hermann: Prevention of urinary incontinence in older people., British Journal of Urology, 1998, vol.82 Suppl 1, pp. 5-10 .
  • Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich, http://www.inkontinenz.at/ 
  • Nasr SZ., JG.Ouslander et al: Urinary incontinence in the elderly: causes and treatment options. In: Drugs and Aging, 1998, vol.12, pp. 349-360 
  • Schön, Gisele und Seltenreich, Marco: Inkontinenz: Ein mutmachender Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Pflegende, Wien 2011 
  • Sheperd, Montgomery: Treatment of genuine stress incontinence with a new perinometer. Physiotherapy 69(4): 113, 1983: 11 Frauen mit Biofeedback: 91% Verbesserung oder Heilung, 11 Frauen ohne Biofeedback: 55%

 

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