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Migrantinnen
Überblick
Wien ist mit seinen vielen verschiedenen Nationalitäten eine multikulturelle, multiethnische und multireligiöse Stadt. 18% der Wiener Wohnbevölkerung haben eine ausländische Staatsbürgerschaft, davon sind 48,1% Frauen. Mindestens ein Viertel der Wiener/-innen haben einen Migrationshintergrund. Sprachbarrieren und unzureichende Kenntnisse über die Funktionsweise des österreichischen Gesundheitssystems erschweren vielen Migrantinnen und Migranten den Zugang zu Leistungsangeboten.
Verschiedene Untersuchungen im Bereich Migration und Gesundheit belegen für Migrantinnen im Vergleich zu einheimischen Frauen sowohl ungünstigere Schwangerschaftsverläufe, bzw. Perinataldaten, als auch eine schlechtere Versorgung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Der Zugang zu präventiven und gesundheitsfördernden Angeboten im Gesundheitsbereich ist für die Migrationsbevölkerung aufgrund mehrerer Faktoren erschwert. Zwei der Hauptfaktoren sind die Informationsdefizite der Migrantinnen und eine unzureichende migrationsspezifische Sensibilisierung der Fachleute im Gesundheitssystem.
Zur psychosozialen Betreuung von Migrant/innen
Weibliche Migrantinnen haben noch schlechtere Lebensbedingungen als männliche Einwanderer. Migrantinnen leiden unter negativen Stereotypen, etwa als Opfer, Exotin, “rückständige” Frau oder islamistische Fundamentalistin. (vgl. Österr. Migrations- und Integrationsbericht 2003)
Migrantinnen haben ein erhöhtes psychisches und körperliches Gesundheitsrisiko aufgrund Dreifachbelastung:
- Rechtliche und soziale Diskriminierung als Minoritätsangehörige
- Berufliche Benachteiligung: aufgrund mangelnder Berufsausbildung sind sie auf unattraktive und unsichere Arbeitsplätze angewiesen
- Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in Familie und Beruf.
Barrieren im Zugang zu Gesundheitswissen und -system:
- Soziale Schichtzugehörigkeit beeinflusst Gesundheitswissen und Kompetenz (niedriger Bildungslevel, Analphabetismus etc.)
- Anderer, kulturell beeinflusster Wortschatz über und Umgang mit Gesundheit, Körper, Befindlichkeit und Sexualität
- Muttersprachliche Informationsmaterialien sind noch nicht Standard
- Mangel an Dolmetschdiensten im Gesundheitsbereich
Spezielle Bedürfnisse von Frauen mit Migrationshintergrund:
- Stärkere Thematisierung der Einstellung zu Migrantinnen in Krankenhäusern und bei medizinischen Fachgesellschaften; Prioritäten sind im Bereich der psychosozialen und reproduktiven Gesundheit zu setzen und ebenso in den bereichen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas.
- Intensivere Unterstützung für von Gewalt betroffene Migrantinnen und Asylantinnen.
- Bedarfsanalyse im Bereich der Basis-Gesundheitsberichterstattung und gesundheitswissenschaftlichen Forschung (Österr. Frauengesundheitsbericht, 2005).
Zukünftige Prioritäten und Empfehlungen im Hinblick auf die Gesundheitsförderung von MigrantInnen:
- Erstellung einer umfassenden Gesundheitsdatenbank zwecks besserer Vernetzung
- Flächendeckende, muttersprachliche psychologische Therapie auf Krankenschein
- Einsatz von “migrationsgeschultem” und sensibilisiertem Gesundheitspersonal
- “Diversity mainstreaming” im Gesundheitsbudget, in dem auch die Bedürfnisse der Migrant/innen berücksichtigt werden
- Aufbau eines Unterstützungsnetzes (geschulte Dolmetscher/innen, mehrsprachige Infomaterialien, etc.)
- Bewusstseinsarbeit in Schulen (Jugendzentren) mit dem Ziel der gelebten Interkulturalität
- Aufwertung von “Psychosoziologie” in der Medizin
- Aufwertung und Anerkennung der Arbeit von NGOs, die sie im Bereich der Migration und Gesundheit leisten
Grundlegend für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Migrant/innen ist:
- Anerkennung ihrer Ressourcen
- Explizites Einbeziehen ihrer Migrationserfahrung
- Sensibilisierung der in der Gesundheitsversorgung tätigen Personen für die Bedürfnisse von Migrantinnen
- Förderung ihrer Partizipation in der Konzepterstellung und Implementierung von gesundheitlichen Einrichtungen und ihre Repräsentation in allen Gesundheitsberufen
Was macht das Wiener Programm für Frauengesundheit für Migrantinnen in Wien?
- Initiierung des Frauengesundheitszentrums FEM Süd mit Schwerpunkt für Migrantinnen
- Türkischsprachiges Service bei der Vorsorgeuntersuchung der Stadt Wien
- Brustkrebsfrüherkennungsprogramm in türkisch, serbisch, kroatisch
- Muttersprachliche Inforeihe zum Thema Brustkrebs
- Muttersprachliche Vorträge und Infoangebote bei den Frauengesundheitstagen
- Beratungsstelle für FGM
- Handbuch für nicht-deutschsprachige PatientInnen: “Gesundsein in Wien”
- Schulungen für Spitalspersonal
- Muttersprachliche Infofolder und -veranstaltungen zu:
- Brustkrebs
- Hepatitis B
- Kontrazeption
- Wechseljahre
- Herz-Kreislauf
- Gesundheitsvorsorge und Arztbesuch
- Ko-Finanzierung eines Ernährungs- und Bewegungsprojekts für Migrantinnen
Information, Rat und Hilfe
- MA 17 Abteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten
Friedrich-Schmidt-Platz 3/ 3.Stock, 1080 Wien, Tel: 01-400081510, e-mail: post@m17.magwien.gv.at (keine Beratung). Information, Bildungs- und Beratungsangebote unter: http://www.wien.gv.at/menschen/frauen/themen/migration/angebote.html - Afrikanische Frauen Organisation
Türkenstraße 3, 1090 Wien, Tel: 01-3192693, Montag 13 – 17 Uhr, Mittwoch 9 – 17 Uhr, Freitag nur nach Vereinbarung. Telefonische und persönliche Beratung und Begleitung in Deutsch, Türkisch, Arabisch und Englisch.Mail an: afrikanisc.frauenorganisation@chello.at
- LEFÖ (Arbeitsmarktpolitische) Beratung, Bildung und Begleitung von Migrantinnen aus Lateinamerika
Kettenbrückengasse 15/2/4, 1050 Wien, Tel: 01-5811881, e-mail: office@lefoe.at . Beratung in Spanisch, Deutsch, Englisch - Miteinander lernen – Birlikte ögrenelim, Beratungs-, Bildungs- und Psychotherapiezentrum für Frauen, Kinder und Familien
Koppstraße 38/8, 1160 Wien, Tel: 01-4931608, e-mail: mitein.lernen@nextra.at . Beratung in Türkisch und Deutsch - Orient Express Beratungs-, Bildungs- und Kulturinitiative Frauenservicestelle
Hillerstraße 6/3-5, 1020 Wien, Tel: 01-7289725, e-mail: office@orientexpress-wien.comKurszentrum: Wehlistraße 178, 1020 Wien. Beratung in Türkisch, Arabisch, Englisch und Deutsch
- Peregrina Bildungs-, Beratungs- und Therapiezentrum für Immigrantinnen
Währinger Straße 59/6/1, 1090 Wien, Tel: 01-4083352 und 01-4086119, e-mail: beratung.peregrina@aon.at . Beratung in Deutsch, Arabisch, Türkisch, Englisch, Französisch, Armenisch, Kinyarwanda, Kirundi und Bosnisch-Kroatisch-Serbisch - Verein Piramidops Frauentreff für Migrantinnen
Volkertplatz 1, 1020 Wien, Tel: 01-9425330, e-mail: piramidops@chello.at - Hotline für Jugendliche ohne Papiere Caritas der Erzdiözese Wien
Tel: 01-3109808 (Mo 10 – 12 Uhr + 13 – 17 Uhr, Di + Do + Fr 8 – 12 Uhr), e-mail: gabriele.sommer@caritas-wien.at - Tangram Multikulturelles Netzwerk für Mädchen
Neustiftgasse 89-91, 1070 Wien, Tel: 01-5248873, e-mail: office@tangram-mkn.at - Interface Unterstützung für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche (12 – 19 Jahre)
Kenyongasse 15, 1070 Wien, Tel: 01-5245015, e-mail: info@interface.or.at - Caritas-Migrationszentrum (allgemeine Beratung)
Lienfeldergasse 75 – 79, 1160 Wien, Tel: 01-3109808, e-mail: mig.zentrum@caritas-wien.at - Kostenlose Beratung zu den Themen Ausländerbeschäftigung, Fremden- und Staatsbürgerschaftsrecht: Helping Hands
Taubstummengasse 7-9,4. Stock, 1040 Wien, Tel: 01-3108880-10, e-mail: info@helphand.org - Familienberatungsstelle
Wurmsergasse 36, 1150 Wien, Tel: 01-9857603 - Familienberatungsstelle – Außenstelle Integrationshaus
Engerthstraße 161 – 163/3, 1020 Wien, Tel: 01-2169729 - Familienberatung für MigrantInnenfamilien
Gerichtsgasse 6/Zi 178 (Gericht), 1210 Wien, Tel: 01-27770-249 (Di 9 – 12 Uhr) - FIBEL Frauen-Initiative Bikulturelle Ehen und Lebensgemeinschaften
Heinestraße 43/Gassenlokal, 1020 Wien, Tel: 01-2127664, e-mail: fibel@verein-fibel.at - CBIF – Centrum für Binationale und Interkulturelle Paare und Familien Information, Beratung, Krisenintervention und Psychotherapie
Märzstraße 43/2/11, 1150 Wien, Tel: 01-9820394 (Mi 16 – 18 Uhr), e-mail: cbif@utanet.at - Terra - Beratungsstelle für ältere Migrantinnen und Migranten
Windmühlgasse 26, 1060 Wien, Tel: 581 07 17 e-mail: terra@sozial-global.at . Beratung in Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Kurdisch und Türkisch
Gesundheit:
- AMBER Kostenlose medizinische Betreuung und Beratung Diakonie Österreich
Große Neugasse 42, 1040 Wien, Tel: 01-5870656, e-mail: amber@diakonie.at - Ärztekammer für Wien - Arztsuche nach Sprachkenntnissen
Informationen über niedergelassene zweisprachige ÄrztInnen, Ärztekammer für Wien Servicestelle für ausländische PatientInnen
Weihburggasse 10 – 12, 1010 Wien, Tel: 01-51501-1213, e-mail: rupprecht@aekwien.or.at
- Frauengesundheitszentrum F.E.M. Süd im Kaiser Franz Josef-Spital
Kundratstraße 3, 1100 Wien, Tel: 01-60191-5201. Beratung in Türkisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, in Englisch, Arabisch und Französisch. - Gesundheits- und Sozialzentrum für den 1., 2. und 20. Bezirk
- Vorgartenstraße 129 –143, 1020 Wien, Tel: 01-21106-02806, e-mail: gsz1.2.20@fsw.at
Gesundheits- und Sozialzentrum für den 4., 5. und 10. Bezirk
Gudrunstraße 145-149, 1100 Wien, Tel: 01-60534-10800, e-mail: gsz4.5.10@fsw.at - Gesundheits- und Sozialzentrum für den 12., 13. und 23. Bezirk
Arndtstraße 67, 1120 Wien, Tel: 01-81134-12800, e-mail: gsz12.13.23@fsw.at - Gesundheits- und Sozialzentrum, Fonds Soziales Wien
6.,7.,14.,15.Bezirk - Beratung am Eck (speziell für ältere MigrantInnen)
Reindorfgasse 22, 1150 Wien, Tel: 01-8913415850, e-mail: gsz6.7.14.15@fsw.at
Beratungszeiten: Mo 9 – 12 Uhr + 13 – 15 Uhr (Muttersprachliche Beratung in Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Türkisch)
Ansätze eines frauenspezifischen Zugangs zu Frauengesundheit auf internationaler Ebene
Ausgewählte Beispiele
Die schweizerische Koordinationsstelle für reproduktive Gesundheit bei Migrantinnen bietet Angebote rund um Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft, die in der jeweiligen Muttersprache durchgeführt werden.
Weiters bietet die Universitäts-Frauenklinik Basel Beratung, Behandlung und Betreuung mit Dolmetscherinnen bei Fragen im Zusammenhang mit Familienplanung, Verhütung, Schwangerschaft, Geburt und sexueller Gewalt.
Deutschland:
- Initiative Interkulturelles Gesundheitsnetzwerk Berlin
- agisra e.V.(Arbeitsgemeinschaft gegen internationale sexuelle und rassistische Ausbeutung)
- Projekt “Gesundheitsförderung für MigrantInnen” der pro familia Bonn http://www.infodienst.bzga.de/migration/angebote/08_03/profamilia.htm http://www.profamilia.de/getattachment.php?table=projekte&id=8
- Psychological and Psychiatrical Care for Migrant Women in Europe
- Migrantinnen und Gesundheitssystem
- Ursachen der Unterversorgung schwangerer Migrantinnen in Nordbayern
- IHS Projekt
- Integrative Unterstützung der arabischstämmigen Einwohnerinnen und Einwohner Berlins durch soziale Betreuung und gesundheitliche Fürsorge
- Gesundheitsberatung für afrikanische Frauen, Männer und Familien
- Informations- und Kontaktstelle Migration (IKoM), Schwerpunkt Altenhilfe für MigrantInnen
- Gesunde Integration Dokumentation der Fachtagung, Bonn/Berlin August 2003
- AKARSU e.V. Gesundheitsetage (GE)
- Ethno-Medizinisches Zentrum e.V., Gesundheitsförderung mit MigrantInnen
http://www.gesundheit-nds.de/ewhnet/Country%20Reports/Germany%20D.PDF
Schweiz:
- Migration und Gesundheit 2002–2006
- AFRIMEDIA
HIV/Aids-Prävention für Migrantinnen und Migranten aus Ländern südlich der Sahara - Schweizerische Koordinationsstelle für reproduktive Gesundheit bei Migrantinnen
- Femmes Tische für Migrantinnen - Ein Präventionsprojekt für Erziehende
England:
- Minority ethnic women and health
- Minority Ethnic Communities and Health
- Multiple identity and access to health: the experience of black and minority ethnic women
- Ghanaian Women Welfare Project
- Black Women's Mental Health Project
USA:
Kanada:
- The Multicultural Breast Health Peer Educator Project
- The Immigrant Women Health Centre's Mobile Unit
- Healthy living for immigrant women: a health education community outreach program
- Our Health in Our Hands - Tools of self Care for Immigrant and Refugee Women
- Multicultural Health Committee (MHC)
Australien:
Neuseeland:
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