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Prostitution und Gesundheit

Bedeutung

  • Prostitution, auch Sexarbeit oder sexuelle Dienstleistung genannt, bezeichnet sexuelle Handlungen gegen Entgelt. Man versteht darunter nicht nur die Erbringung von sexuellen Dienstleistungen im „engeren Sinn“ in einem Bordellbetrieb - wie etwa in Nachtclubs, Studios, Laufhäusern, Massagesalons, Saunaclubs, Go-Go-Bars,…  -  und Straßenprostitution, sondern auch Striptease, Online-Sex-Dienste, Telefonsex, Escort-Dienste etc. 

Sexarbeiterinnen, die einen anderen Beruf ausüben möchten, haben zahlreiche Stigmen und soziale wie individuelle Barrieren zu überwinden.

 

  • Verschiedene Formen der Prostitution sind praktisch in jeder Kultur zu finden und ihre gesellschaftliche Bewertung ist in den letzten Jahrzehnten einem starken Wandel unterlegen. Das Thema polarisiert stark - währenddie einen aus moralischen Gründen Prostitution verdammen oder Prostitution als Gewalt gegen und Ausbeutung von Frauen ansehen, sowie die Kommerzialisierung des Körpers kritisieren, ist für andere das Recht auf selbstbestimmtes, sicheres und legales Arbeiten zentral. Daraus resultieren unterschiedliche Handlungsansätze in der Politik – der Ansatz, die Tätigkeit die Tätigkeit anderen Berufen und Gewerben gleichzustellen(z.B. in Neuseeland); der Ansatz, Sexarbeit zu regulieren (z.B. in Österreich, Niederlanden), Sexarbeit und Sexarbeiterinnen zu illegalisieren oder den Kauf von sexuellen Dienstleistungen zu verbieten (z.B. in Schweden).

 

  • Die verschiedenen Ansätze haben keinen Einfluss auf Angebot und Nachfrage.. Sie haben sehr wohl aber einen Einfluss darauf, wie groß der legale oder illegale Markt ist und ob die Tätigkeit legal ausgeübt werden kann, oder nur illegalisiert. Dies hat allerdings ganz praktische Konsequenzen für Sexarbeiterinnen. Illegallisiert arbeitende SexarbeiterInnen sind vulnerabler, bei Übergriffen ist die Hemmschwelle, die Polizei einzubeziehen, sehr hoch, da eine Anzeige droht. Auch wenn Freier bestraft werden und nicht Sexarbeiterinnen, wie in Schweden, führt es in Schweden trotzdem dazu, dass aufgrund anderer Gesetze bei Bekanntwerden der Tätigkeit migrantische Sexarbeiterinnen ausgewiesen werden, Sexarbeiterinnen eher ihre Kinder abgenommen werden,  LebenspartnerInnen angezeigt und VermieterInnen informiert werden (die in weiterer Folge die Wohnungen kündigen, da Vermietung von Wohnungen in denen Sexarbeit angeboten wird, in Schweden strafbar ist).

Rechtliche Situation in Österreich

Gesetzliche Regelungen zu Sexarbeit finden sich in Bundesgesetzen und in Landesgesetzen. Relevante Bundesgesetze sind in diesem Zusammenhang vor allem das Zivilrecht (Gültigkeit von Verträgen im Sexdienstleistungsbereich), das Arbeitsrecht (Regelung von (freien) Dienstverhältnissen), das Steuerrecht, das Sozialversicherungsrecht, das Gesundheitsrecht (z.B. die Pflichtuntersuchung), das AIDS Gesetz, das Fremdenrecht und das Strafrecht.

In manchen dieser Gesetze gibt es prostitutionsspezifische Sonderregelungen, wie z.B. die Pflichtuntersuchung für SexdienstleisterInnen im Bereich des Gesundheitswesens oder spezielle Straftatbestände betreffend die (sexuelle) Ausbeutung in der Prostitution, ansonsten gelten die allgemeinen Bestimmungen.

SexdienstleisterInnen sind seit 1984 einkommenssteuerpflichtig, die Möglichkeit der Sozialversicherung folgte 1998.  Allerdings galt die Tätigkeit lange Zeit als sittenwidrig. Erst seit einer Entscheidung des OGH am 18.4.2012 gelten Verträge über sexuelle Dienstleistungen mit Körperkontakt zwischen SexdienstleisterInnen und KundInnen nicht mehr als sittenwidrig. D.h. ein vorenthaltenes Honorar kann von SexdienstleisterInnen eingeklagt werden.

In den Landesgesetzen wird geregelt „Wo“, „Wann“ und „unter welchen Voraussetzungen“ sexuelle Dienstleistungen angeboten werden dürfen - dies führte dazu, dass in jedem Bundesland andere Detailregelungen bestehen. Zum Beispiel gilt in manchen Bundesländern als Voraussetzung zur Ausübung von Sexdienstleistungen ein Mindestalter von 18 Jahren, in anderen von 19 Jahren. Ebenso können Landesgesetze regeln, ob und wo sich SexarbeiterInnen registrieren lassen müssen, oder ob die Anbahnung im Freien zulässig ist (insbesondere Straßenprostitution) oder nur in genehmigten Bordellen. Weiters unterscheiden sich die Voraussetzungen für die Genehmigung von Bordellbetrieben.
 
Um legal in der Prostitution in Wien arbeiten zu können, ist eine Meldung in Österreich notwendig (außer tägliches pendeln nach Österreich ist möglich), aber auch eine Meldung (Registrierung) bei der Polizei. Außerdem müssen die Frauen und Männer die gesetzlich vorgeschriebenen amtsärztlichen Untersuchungen vornehmen lassen, die seit 1.1.2016 alle sechs Wochen zu erfolgen haben. In Wien trat im November 2011 ein novelliertes Prostitutionsgesetz in Kraft, das z.B. die Anbahnung im Wohngebiet verbietet oder die Meldung von Bordellbetrieben verlangt. Details zur Rechtslage in Wien finden sich auf der Webseite der Stadt Wien (Verlinkung zu  https://www.wien.gv.at/verwaltung/prostitution/

Anzahl der SexarbeiterInnen in Wien 

Mit Stichtag 31.12.2015 waren 3.392 Sexarbeiterinnen in Wien registriert und 73 Sexarbeiter (wobei bei der Registrierung jeweils die Geschlechtsangabe im Ausweis ausschlaggebend war und nicht das Geschlecht, dem sich die Personen zuordnen. D.h. Transgender Personen sind nicht erfasst worden). 3% der registrierten SexarbeiterInnen haben die österreichische StaatsbürgerInnenschaft. 2015 gab es 329 genehmigte Prostitutionslokale in Wien,  51% der Lokale werden von Frauen betrieben. 

2015 kamen im Monat durchschnittlich 1.500 SexarbeiterInnen zur wöchentlichen Untersuchung zur MA 15/Gesundheitsamt. Diese Zahl gibt einen Hinweis auf die tatsächlich in Wien tätigen SexarbeiterInnen, da die bloße Anmeldung bei der Landespolizeidirektion Wien keine Aussage über die tatsächlich tätigen SexarbeiterInnen gibt.


Bezüglich Interpretation der Zahlen der in Österreich oder Wien tätigen SexdienstleisterInnen sind auch folgende Aspekte zu berücksichtigen: Allein die Registrierung aber auch die Durchführung der Pflichtuntersuchung gibt keine Auskunft, wie oft eine Person in der Sexarbeit tätig ist. Manche arbeiten nur an einzelnen Tagen in der Woche, manche wiederrum sehr viele Stunden in einem Zeitraum von einigen Wochen und beenden dann wieder ihre Tätigkeit in Wien/Österreich.

Aufgrund der Zahlen lässt sich sagen, dass sich fast ausschließlich Frauen und davon wiederum fast ausschließlich Frauen mit Migrationshintergrund bei der Polizei als Sexdienstleisterinnen registrieren lassen.
Bezüglich illegalisierter Sexarbeit sind Aussagen noch schwieriger zu treffen. SexarbeiterInnen können aufgrund landesspezifischer Gesetze oder nationaler Gesetze illegalisiert werden, z.B. wenn sie in Wien tätig sind und sich nicht bei der Polizei registriert haben, wenn sie keine gültige Kontrollkarte von der Pflichtuntersuchung vorweisen können, wenn sie an einem „illegalen“ Ort (z.B. der eigenen Wohnung) die Sexarbeit ausüben, oder wenn sie keine Aufenthaltserlaubnis haben.

 

In Bezug auf die nationale Herkunft von illegalisiert tätigen Sexarbeiterinnen liegen laut Amesberger (2014) unterschiedliche Einschätzungen vor: Während von der Polizei ausschließlich Migrantinnen genannt werden, weisen NGOs darauf hin, dass unter illegalisiert tätigen Sexarbeiterinnen verhältnismäßig mehr österreichische Sexarbeiterinnen zu finden sind. Dies ist insofern wahrscheinlich, als Österreicherinnen mit weniger schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen haben, wenn sie „erwischt“ werden, Migrantinnen hingegen zusätzlich zu Strafzahlungen auch Einreise- und Aufenthaltsverbote bekommen können. Auffallend ist, dass Männer in der Sexarbeit fast ausschließlich illegalisiert arbeiten.  

Risiken & Gesundheit

Zur gesundheitlichen Situation von Prostituierten, gibt es keine umfassenden Informationen für Österreich, da die Ergebnisse der Gesundheitskontrollen nicht zentral dokumentiert werden.

SexdienstleisterInnen werden häufig stigmatisiert und diskriminiert. Diese Benachteiligung und die Tätigkeit selbst können belastend sein. In den Beratungsstellen können SexarbeiterInnen darüber offen und vertraulich reden. Die Gespräche sind anonym und kostenlos!


Registrierte SexarbeiterInnen zählen laut Gesundheitsbericht der Stadt Wien zur „gesündesten" Personengruppe in Bezug auf Geschlechtskrankheiten.  Auch andere Studien weisen darauf hin, dass SexarbeiterInnen im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten (STDs) zum gesündesten Teil der Bevölkerung gehören. 

KundInnen mit Risikoverhalten

Kunden, die häufig wechselnde SexualpartnerInnen (unabhängig, ob mit einer SexarbeiterIn oder nicht) haben und ungeschützten Sex verlangen, stellen das größte Risiko im Hinblick auf die Verbreitung von STDs dar. 
Gesundheitswissen, Wissen zu Safer-Sex Praktiken und Vorbeugung von ungewollten Schwangerschaften, Gesundheitsberatung, -untersuchungen sowie Zugang zum Gesundheitssystem sind wichtige Voraussetzungen für die (sexuelle) Gesundheit von SexarbeiterInnen. Aber auch die Stärkung von SexdienstleisterInnen im Umgang mit Kunden, die Unsafe-Sex-Praktiken fordern ist  notwendig – begleitet durch Maßnahmen zur Sensibilisierung und Information von Kunden zum Thema STDs, inklusive niederschwelliger Untersuchungsangebote für Kunden. Erfolgreich in dieser Hinsicht waren (international) sogenannte „Freierkampagnen“ , die gemeinsam mit SexarbeiterInnen und/oder spezifischen Beratungsstellen für SexarbeiterInnen, entwickelt wurden.


Pflichtuntersuchungen für SexarbeiterInnen
Mit Wirkung 1. Jänner 2016 trat die "Verordnung über gesundheitliche Vorkehrungen für Personen, die sexuelle Dienstleistungen erbringen" BGBl. II Nr. 198/2015, vom Bundesministerium für Gesundheit in Kraft.
Durch die Verordnung ändert sich die für SexdienstleiterInnen gesetzlich vorgeschriebene Untersuchungsfrequenz auf das Freisein von Geschlechtskrankheiten. Sie erfolgt nicht mehr wöchentlich, sondern alle sechs Wochen.


Die medizinischen Kontroll-Untersuchungen in Wien werden seit Jänner 2016 am Standort des ehemaligen STD-Ambulatorium, Schnirchgasse 14/1 im 3. Bezirk, im Auftrag der MA 15 durch die Krankenanstalt Rudolfstiftung, Abteilung für Dermatologie und Venerologie im "Zentrum für sexuelle Gesundheit" durchgeführt. Die Ausstellung der Kontrollkarte gemäß BGBl. 198/2015 sowie die Bestätigung der zyklischen Untersuchungen erfolgen durch das Amtsärztliche Referat für Sexuelle Gesundheit und Prostitution der MA 15.


Zu beachten ist, dass die Pflichtuntersuchungen keine gynäkologische Untersuchung (Krebsabstrich/PAP-Abstrich) sind und auch nicht alle Geschlechtskrankheiten umfassen (z.B. auf Chlamydien muss nicht untersucht werden), sondern nur die gesetzlich vorgeschriebenen. Für weitergehende Untersuchungen ist der Besuch von FachärtzInnen empfohlen. Auf internationaler Ebene sprechen sich z.B. ILO (2001), UNDP (2012)   oder WHO (2012) gegen Pflichtuntersuchungen aus.


In einer vergleichenden internationalen Studie zu Sexarbeit (Wagenaar, Altink, Amesberger 2013, Amesberger 2014) hatten die interviewten SexarbeiterInnen eine gespaltene Meinung zur Pflichtuntersuchung. Etwa die Hälfte lehnte die Untersuchung kategorisch ab, die andere Hälfte fand sie zu häufig, das Personal aufgrund der Menge an KlientInnen sehr überlastet, aber es gab eine akzeptierende Haltung, sowie auch positive Statements, dass etwa Untersuchungen in Wien kostenfrei sind. Eine Verordnung zur Verlängerung der Untersuchungsintervalle ist wie bereits erwähnt seit 1.1.2016 in Kraft getreten.


Alkohol
Wagenaar, Altink, Amesberger 2013 und Amesberger 2014 geben an, dass das Thema Alkohol ein Thema für SexarbeiterInnen ist und auch Grund dafür sein kann, dass SexarbeiterInnen sich auch gegen die Tätigkeit in einem Bordellbetrieb entscheiden, wo Alkoholkonsum von Seiten der BetreiberInnen zur Profitsteigerung durchaus gefördert wird (z.B. wenn der Kunde (viel) Alkohol konsumiert, gibt es auch einen Bonus für die Sexarbeiterin bzw. alkoholische Getränke gibt es für SexarbeiterInnen kostenfrei)  und stattdessen die Tätigkeit z.B. in einem kleinerem Studio, in einem sogenannten Laufhaus oder Anbahnung auf der Straße bevorzugen.

Gewalt
Gewalt kann in vielen Formen vorkommen, in allen Lebensbereichen und kann jede Person betreffen. Gewalt kann auf körperlicher, sexueller, psychischer, ökonomischer oder sozialer Ebene ausgeübt werden. Gewalt kann entweder direkt von einer Person oder strukturell (aufgrund ungleicher Machtverhältnisse in der Gesellschaft ausgeübt werden. Im Strafgesetz erfasst sind insbesondere körperliche und sexuelle Gewalt (Verletzung der sexuellen Integrität (seit 1.1.2016), Vergewaltigung, sexuelle Belästigung…), ebenso wie Androhung von Gewalt, Täuschung, Erpressung, Nötigung, Freiheitsentzug, Diebstahl oder Raub, etc. Diese Gesetze gelten für alle Menschen Österreich und auch im Bereich der Sexarbeit.


Speziell bezüglich Sexarbeit umfasst das Strafrecht weitere Bestimmungen, wie etwa Ausbeutungsverhältnisse im Zusammenhang mit Sexarbeit (Zuhälterei). Weiters umfasst das Strafrecht auch Menschenhandel, wobei davon z.B. auch Hausangestellte, Feld- und ErntehelferInnen oder ArbeiterInnen am Bau, etc. betroffen sein können.


Für SexarbeiterInnen bedeuten diese Regelungen:


Egal, wo SexarbeiterInnen arbeiten, sie bestimmen selbst:

  •   WELCHE Kunden sie bedienen
  •   WAS sie anbieten

Niemand darf SexarbeiterInnen dazu Vorschreibungen machen oder Weisungen geben! (Dies stellt eine Verletzung der sexuellen Integrität dar).


Wenn die o.g. allgemeinen Regeln auf den Bereich Sexarbeit angewandt werden, heißt dies, dass folgendes in Österreich verboten und STRAFBAR ist:

•    niemand darf gezwungen werden, in der Sexdienstleistung tätig zu sein
•    niemand darf SexarbeiterInnen zwingen, Kunden anzunehmen
•    niemand darf SexarbeiterInnen zwingen, bestimmte Praktiken anzubieten
•    niemand darf SexarbeiterInnen zwingen, ohne Kondom zu arbeiten
•    niemand darf ohne der Zustimmung der betroffenen Person Fotos veröffentlichen oder Inserate für schalten
•    niemand darf Sexarbeiterinnen Geld abnehmen
•    niemand darf SexarbeiterInnen den Pass oder Ihr Gesundheitsbuch (= Karte oder Deckel) abnehmen (letzteres kann nur die Behörde im Krankheitsfall abnehmen)
•    niemand darf Sexarbeiterinnen oder deren Familie bedrohen

Statistische Angaben in Studien zur erlebten Gewalt von SexarbeiterInnen sind in Hinblick auf Untersuchungsdesign, die Stichprobengröße, den Kontext in dem erhoben wurde, die Art wie Fragen gestellt wurden und Stichprobenzusammensetzung vorsichtig zu interpretieren und transparent zu machen. Generelle Verallgemeinerungen sind – vor allem bei kleinen Stichproben – problematisch.

In der Studie von Wagenaar, Altink, Amesberger 2013 und Amesberger 2014 wird dargestellt, dass z.B. in Österreich neun von 82 Interviewpartnerinnen (in narrativen themenzentrierten Leitfaden-Interviews) angegeben haben, dass der Einstieg in die Prostitution durch eine oder andere Form von Gewalt erfolgte. Die Dauer der Gewalt erstreckt sich von einem Tag auf einige Monate und umfasste unterschiedliche Gewaltformen (Täuschung, Dokumente abgenommen, körperliche Gewalt).


Im Gegensatz zur Medienberichterstattung berichten SexarbeiterInnen in der Studie von Wagenaar, Altink, Amesberger 2013 und Amesberger 2014 nur selten von körperlicher, psychischer und finanzieller Gewalt durch Kunden. Verunsichernd auf das Sicherheitsgefühl wirken v.a. Medienberichterstattungen. Bestimmte Arbeitsorte wurden von Sexarbeiterinnen und „informierten“ Außenstehenden (z.B. ForscherInnen, Personen die beruflich mit dem Thema Sexarbeit z.B. in der Verwaltung befasst sind, aber selber keine aktiven SexarbeiterInnen sind)  als gefährlicher eingestuft als andere, etwa Anbahnung auf der Straße, Hausbesuche und illegale Wohnungsprostitution. Während drei der sieben Frauen, die auf der Straße anbahnten, bereits einmal körperliche und/oder finanzielle Gewalt erlebt hatten, verneinten die drei im Escort-Bereich interviewten SexarbeiterInnen hingegen Gewalterfahrungen. 


Eine repräsentative quantitative Studie in dem Bereich gibt es nicht, die oben beschriebenen Ergebnisse stammen aber aus der umfassendsten qualitativen Studie, die in den letzten Jahren in Österreich durchgeführt wurden.
In der neuseeländischen Evaluationsstudie (2008) – die fünf Jahre nach der Legalisierung der Sexarbeit in Neuseeland erstellt wurde  – wurde erfasst, wie viele SexarbeiterInnen bestimmte Gewaltvorfälle in welchen Arbeitsbereichen während der letzten 12 Monate erlebt hatten. Dabei zeigt sich, dass die Angaben bei Anbahnung auf der Straße höher sind als in anderen Bereichen, insbesondere in Bezug auf nicht bezahlte Leistungen, Gelddiebstahl und der Androhung körperlicher Gewalt. Von 769 SexarbeiterInnen berichten 12,6% von nicht bezahlter Leistung;  31,5% der auf der Straße tätigen Sexarbeiterinnen, 7,5% der in Bordellbetrieben und 12,6% der „private indoor“ (eigene Wohnung oder Wohnung des Kunden) arbeitenden SexarbeiterInnen. Von 770 SexarbeiterInnen berichten 9,8% von erlebter körperlicher Gewalt von Kunden während der letzten 12 Monate;  13,4% der auf der Straße arbeitenden, 10,4% der in Bordellen und 7,3% der „private indoor“ arbeitenden SexarbeiterInnen erlebten dies. Vergewaltigung von einem Kunden gaben von 769 Befragten insgesamt 3% an; 5,3% der auf der Straße tätigen, 3,3% der in Bordellen tätigen und 1,5% der „private indoor“ tätigen Sexarbeiterinnen.

Es gibt zahlreiche Strategien von SexarbeiterInnen zur Gewaltprävention, auch die Beratungsstellen informieren darüber. (Gesetzliche) Auflagen für die Ausstattung von Bordellbetrieben (Nachtclubs, Studios, Laufhäuser,….) können das Sicherheitsgefühl (vor gewalttätigen Übergriffen durch Kunden) erhöhen, etwa das Vorhandensein von Notfallknöpfen. Entscheidend für den Schutz der sexuellen und körperlichen Integrität von SexdienstleisterInnen ist aber eine klare diesbezügliche Rechtslage und dass SexarbeiterInnen ihre Rechte kennen und durchsetzen können. Die unabhängige Information von SexdienstleisterInnen, spezifische Beratungsangebote sowie sensibilisierte Institutionen und Strafvollzugsbehörden sind dafür Voraussetzung.


Die Möglichkeit, dass Sexarbeit auch legal ausgeübt werden kann, führt ebenso dazu, dass SexarbeiterInnen sich bei Übergriffen eher vorstellen können sich an die Polizei zu wenden, als wenn eine Anzeige wegen Sexarbeit oder andere Konsequenzen damit verbunden sind (z.B. in Schweden Abschiebung bei migrantischen SexarbeiterInnen mit nicht-schwedischer StaatsbürgerInnenschaft, Wohnungsverlust, etc. siehe oben). Trotzdem zeigt sich auch in der neuseeländischen Studie, dass zwar das Gefühl sich an die Polizei wenden zu können gestiegen ist, sich SexarbeiterInnen bei Gewaltvorfällen trotzdem häufiger Unterstützung vom Umfeld (FreundInnen, KollegInnen,…) holen. Als Grund wurde trotz allem die nach wie vor bestehende Stigmatisierung von SexarbeiterInnen als Hemmschwelle angeführt. 

 
Quellen:
Interkulturelles Zentrum Volkshilfe Wien (Hrg.) (2007), Wenn SEX ARBEIT war ....


Wagenaar/Altlink/Amesberger (2013), Internationale vergleichende Studie zu Prostitutionspolitiken: Niederlande, Österreich (Exkurs Schweden). Hrg. von Stadt Wien, MA 57 - Frauenabteilung der Stadt Wien. Link:
http://www.wien.gv.at/menschen/frauen/pdf/vergleichende-studie-prostitution.pdf


Amesberger (2014) Sexarbeit in Österreich, Ein Politikfeld zwischen Pragmatismus, Moralisierung und Resistenz, new academic press


Sexwork Info (2016) dzt. noch unveröffentlichte Broschüre Arbeitsgruppe Prostitution im Rahmen der Task Force Menschenhandel, Bundesministerium für Bildung und Frauen, Minoritenplatz 5, 1014 Wien 


Regelungen der Prostitution in Österreich, Empfehlungen der Arbeitsgruppe Prostitution im Rahmen der Task Force Menschenhandel (März 2015)


Report of the Prostitution Law Review Committee on the Operation of the Prostitution Reform Act 2013 (2008) New Zealand Government. 
http://www.lefoe.at/


Beispiele von Kampagnen in Deutschland, Schweiz, Frankreich, Spanien und Norwegen z.B. in: Work safe in sex work. A European Manual on Good Practice in Work with and for Sexworkers, TAMPEP, Netherlands, 2009


Links & Beratungsstellen

 

  • LEFÖ – Beratung, Bildung & Begleitung von Migrantinnen
    Die unabhängige Organisation LEFÖ arbeitet seit 13 Jahren mit Migrantinnen in der Sexarbeit zusammen. Die Mitarbeiterinnen fordern einerseits eine Änderung des Fremdenrechts und andererseits setzten sie sich für die Legalisierung von Prostitution als Erwerbsarbeit ein.
    www.lefoe.at

 

 

  • LENA – Internationaler Treffpunkt und Beratungsstelle für Frauen, die in der Prostitution arbeiten und deren Freundinnen (Linz)
    www.caritas-linz.at

 

  • MAIZ – Autonomes Integrationszentrum von & für Migrantinnen (Linz)
    www.maiz.at

 

 

 

 

 

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