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Wiener Frauengesundheitsprogramm - ein Programm für die Wienerin

Utl.: Stadträtinnen Wehsely und Frauenberger, Wimmer-Puchinger präsentieren Maßnahmenpaket =



PK_Wimmer_Wehsely_Frauenberger Wien (OTS) - Mit der Botschaft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "Gesundheit hat ein Geschlecht" eröffnete Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely gemeinsam mit Frauenstadträtin Sandra Frauenberger und der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger am Donnerstag die Pressekonferenz zu den aktuellen Schwerpunkten im "Wiener Programm für Frauengesundheit".

"Mittelerweile ist wissenschaftlich klar belegt und international anerkannt, dass Frauen einen anderen Zugang zu Gesundheit und zu ihrem Körper im allgemeinen haben", erklärte Wehsely. "Erfreulich ist", so, die Stadträtin weiter, "dass sich in den letzten Jahren Frauengesundheitsprogramme und Gender Medicine sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis etabliert haben".

Zwtl.: Die Stadt Wien in der Vorreiterrolle - internationales Vorbild

Wien hat bereits 1997 die internationalen Empfehlungen der WHO aufgegriffen und den ersten wissenschaftlichen Wiener Frauengesundheitsbericht verfasst. Auf dieser Basis wurde gemeinsam mit Professorinnen der Medizin, NGOs und Politikerinnen das Wiener Programm für Frauengesundheit maßgeschneidert. Es wurde 1998 einstimmig vom Wiener Gemeinderat beschlossen. Mit diesem all-parteilichen Bekenntnis zu einer gendergerechten Gesundheitspolitik war Wien, neben Glasgow, den gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa voraus. Aus diesem Grund wird Wien auch immer wieder international eingeladen, seine Expertise weiterzugeben.

Das Wiener Programm für Frauengesundheit setzt bei seiner Arbeit auf ein interdisziplinäres Team und ein professionelles Netzwerk von Gesundheitseinrichtungen, Vereinen, relevanten Institutionen und EntscheidungsträgerInnen. Ziel ist die Mitgestaltung einer frauenfreundlichen Gesundheitspolitik, die Festlegung von Qualitätsstandards und die nachhaltige Verankerung von Gesundheitsangeboten in Wien.

Zwtl.: Sozial benachteiligte Frauen stehen im Mittelpunkt des Programms

"Es gilt als unbestritten, dass soziale Rollenbilder und Lebensbedingungen einen wesentlichen Einfluss auf das gesundheitliche Befinden haben", so Wehsely. Daher lege das Programm für Wiener Frauengesundheit einen seiner Schwerpunkte auf sozial benachteiligte Frauen. Zahlreiche Projekte sollen helfen, sozial belasteten Frauen den Zugang zu Gesundheitsangeboten zu erleichtern.

Zwtl: Gesundheitsförderung für wohnungslose Frauen

In Wien leben aktuell etwa 500 bis 1.000 alleinstehende Menschen auf der Straße, unter ihnen zwischen 20 und 25 Prozent Frauen. In Einrichtungen sind mehr als 2.500 betroffene Menschen untergebracht.

Die Wohnungslosenhilfe ist nach wie vor männlich geprägt, es gibt aber Bemühungen der Stadt Wien gibt, dies zu verbessern. Ein frauengerechtes, bedarfsorientiertes Betreuungs- und Beratungsangebot wird jetzt in speziellen Einrichtungen aufgebaut.

Zur spezifischen Gesundheitssituation von wohnungslosen Frauen gibt es noch wenig wissenschaftliche Daten. Als erwiesen gilt, dass obdach- und wohnungslose PatientInnen viel häufiger unter Multimorbidität leiden. Als Haupterkrankungen wurden in verschiedenen Studien Haut- und Atemwegserkrankungen, Thrombosen, rheumatische Herzfehler, Hepatitis, Osteoporose, Eisenmangel, Blutarmut und Migräne genannt. Schamgefühl und Angst vor Abweisung sind meist die Hauptgründe dafür, dass wohnungslose Menschen die regulären ambulanten und stationären Versorgungsangebote nicht nutzen. Auch schlechte Erfahrungen mit medizinischem Personal führen zur Ablehnung.

Für die Gesundheitsarbeit für obdach- und wohnungslose Frauen ist eine multiprofessionelle Herangehensweise wichtig, da diese Frauen bei körperlichem, seelischen und sozialen Wohlbefinden Defizite aufweisen. Es muss eine medizinische Basisversorgung aufgebaut werden und weiters die physische, psychische und soziale Gesundheit gefördert werden.

Im Rahmen des Projekts "Bedarfsgerechte Gesundheitsförderung und -versorgung wohnungsloser Frauen in Wien" werden gesundheitsfördernde Maßnahmen für diese spezifische Zielgruppe erarbeitet und umgesetzt. In elf Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe werden gynäkologische, psychosoziale sowie psychologische und therapeutische Angebote gesetzt.

Die Inanspruchnahme ist freiwillig und richtet sich derzeit an rund 380 Frauen, die in den den Häusern der Wiener Wohnungslosenhilfe untergebracht sind. Im zweiten Projektjahr 2007 wurden die Angebote insgesamt 835 Mal in Anspruch genommen. Das Angebot reicht von Gesundheitsrunden über Tanz- und Malgruppen, homöopathische Beratung bis hin zu psychologischer Unterstützung und gynäkologischen Sprechstunden.

Zwtl.: Frauen mit Behinderung

Frauen mit Behinderung sind doppelt benachteiligt, aufgrund ihres Geschlechts und aufgrund ihrer Behinderung. Auch im Gesundheitssystem sind behinderte Frauen mit unterschiedlichsten Barrieren konfrontiert. Dazu gehören einerseits bauliche Barrieren wie z.B. fehlende spezielle Untersuchungsvorrichtungen. Vor allem aber fehlt im Gesundheitswesen oft das Wissen und Bewusstsein für die speziellen Bedürfnisse dieser Frauen.

Im Jahr 2006 etablierte das Wiener Programm für Frauengesundheit daher das erste Wiener Frauengesundheitsforum für Frauen mit Behinderung. Ziel dieses einzigartigen Forums ist es, Defizite, Probleme und Bedürfnisse aufzuzeigen, und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Mitglieder des Forums sind ExpertInnen aus der Verwaltung, Trägervereinen, NGOs, Betreuungseinrichtungen sowie betroffene Frauen selbst.

Bisher konnten zwei erfolgreiche Maßnahmen gesetzt werden: Zum Einen wurde eine gynäkologische Informationsbroschüre für Frauen mit Lernschwierigkeiten entwickelt, die Aufklärung über den eigenen Körper, gynäkologische Untersuchungen und Verhütung bietet. Zum Anderen wurde mit dem Projekt "Gesundheitsförderung in betreuten Werkstätten" ein niederschwelliges, aufsuchendes Angebot in den Werkstätten von Jugend am Werk eingerichtet. Dort stehen eine monatliche gynäkologische Sprechstunde, Empowerment- und Selbstverteidigungsseminare und sexualpädagogische Workshops am Programm. Mit dieser Maßnahme konnten seit dem Kick Off im November 2007 über 60 Frauen und Mädchen erreicht werden. Die Kurse sind bis zum Sommer 2008 ausgebucht.

Zwtl.: Gesundheitsförderung für langzeitarbeitslose Frauen

"Arbeitslosigkeit bringt nicht nur starke finanzielle Einschnitte mit sich, sondern begünstigt auch körperliche Beschwerden, Stress und Depressionen", leitete Wiens Frauenstadträtin Frauenberger den Schwerpunkt des Programms für langzeitarbeitslose Frauen ein. Auch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel sowie erhöhter Alkohol- und Nikotinkonsum und der Verlust sozialer Kontakte zählen zu den negativen Begleiterscheinungen. Gesundheitsfördernde Maßnahmen für arbeitslose Frauen können wesentlich zur Re-Integration in den Arbeitsmarkt beitragen.

Das Projekt "(f)itworks", das von der ÖSB Consulting GmbH in Kooperation mit dem Frauengesundheitszentrum FEM Süd umgesetzt wird und vom Wiener Programm für Frauengesundheit, dem Fonds Gesundes Österreich, dem AMS Wien sowie der Wiener Gebietskrankenkasse gefördert wird, startete 2007, um Maßnahmen für langzeitarbeitslose Frauen, sozial benachteiligte Frauen und Wiedereinsteigerinnen zu entwickeln und umzusetzen.

Ziel des Projektes ist in erster Linie die Steigerung von Wohlbefinden, Zusammenhaltgefühl und Selbstorganisation der Teilnehmerinnen. Die Teilnehmerinnen werden nach ihrem Wohlbefinden und Gesundheitszustand befragt. Anschließend stehen ihnen eine Fülle von Angeboten zur Auswahl: Gesundheitszirkel, Kurse zu Bewegung und Stressabbau, Gesundheitstage oder Sprechstunden mit Ärztinnen oder Psychologinnen. In Schulungen werden gesundheitsfördernde Kompetenzen an Schlüsselarbeitskräfte (JobtrainerInnen und Coaches) vermittelt. Seit Mai 2007 wurden die Angebote von langzeitarbeitslosen Frauen fast 900 Mal in Anspruch genommen.

Zwtl.: Herz-Kreislauf-Prävention für sozial belastete Frauen

"Immer noch sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Wien die mit Abstand häufigste Todesursache", erklärte die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Wimmer-Puchinger. Dabei sterben Frauen (59%) sogar häufiger infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Männer (48%). Herkömmliche Strategien zur Gesundheitsförderung und Prävention erreichen sozial benachteiligte Frauen mit hohem Risikopotenzial für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Frauen aus niedrigen Bildungs- und Einkommensschichten, Migrantinnen, Alleinerzieherinnen, Arbeitslose, ...) kaum. Aus diesem Grund entwickelte das Wiener Programm für Frauengesundheit zielgruppengerechte Präventionsangebote mit zwei Schwerpunkten:

"Nach Herzenslust - leichter leben"

Dieses Kursprogramm wird in Kooperation mit dem Frauengesundheitszentrum FEM Süd durchgeführt und richtet sich an stark übergewichtige Frauen und Mädchen. Es schließt an das erfolgreiche Pilotprojekt "Nach Herzenslust - Favoritner Frauen leben gesund" an, dessen Angebote rund 10.000 Mal in Anspruch genommen wurden. Ungefähr die Hälfte dieser Frauen und Mädchen waren Migrantinnen.

Das Folgeprogramm "Nach Herzenslust - leichter leben" richtet sich in drei Sprachen (Deutsch, Türkisch, Bosnisch/Kroatisch/ Serbisch) an Frauen und wird psychologisch/psychotherapeutisch begleitet. Eigene Kurse sind für Mädchen von 14 bis 17 Jahren vorgesehen. Stressbewältigung, gesunde Ernährung und Kochen, Bewegung in der Gruppe, die Erstellung individueller Bewegungspläne, psychologische Begleitung sowie ärztliche Beratung stehen am Programm der angebotenen Kurse. Zusätzlich finden Schulungen für MultiplikatorInnen statt. So werden etwa GesundheitsexpertInnen (DiätologInnen, ErnährungswissenschafterInnen, ÄrztInnen) über Ernährungsgewohnheiten von MigrantInnen aufgeklärt, aber auch nichtmedizinische "Schlüsselpersonen" wie Deutschkursleiterinnen oder Kontaktpersonen von MigrantInnenvereinen werden geschult.

"Ernährung, die bewegt - für Mutter und Kind"

Dieses Programm zielt auf Gesundheitsförderung und Lebensstiländerung bei übergewichtigen Müttern mit übergewichtigen Kindern. Angeboten werden Abnehmkurse für Mütter und Kinder mir Modulen zu Selbstwerttraining, Bewegung, Ernährungsvorträge und Kochen. Einige Module beziehen auch die ganze Familie mit ein (gemeinsame Bewegungsaktivitäten, Wandern, Kochevents). Der durchschnittliche Gewichtsverlust betrug bei der ersten, bereits abgeschlossenen Kursgruppe 7 kg. Auch die eigene körperliche Attraktivität wurde nach den Kursen deutlich besser bewertet.

 

Detailinformationen zum Wiener Frauengesundheitsprogramm

 

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

 

(Schluss) ef/lac


Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag.a Marianne Lackner
Mediensprecherin Stadträtin Mag.a Sonja Wehsely
Tel.: 4000/81 238
Mobil: 0676/8118 69549
E-Mail: marianne.lackner@wien.gv.at


Elvira Franta, Bakk. phil.
Mediensprecherin StRin Sandra Frauenberger
Tel.: 4000/818 53
Mobil: 0676/8118 81853
E-Mail: elvira.franta@wien.gv.at

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