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Gesundheitsförderung für wohnungslose Frauen

 

Thema          

  • Entwicklung und Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen für wohnungslose Frauen

 

Ausgangslage

In Wien leben 500 bis 1000 alleinstehende Menschen auf der Straße, davon sind 20 bis 25 Prozent Frauen. In Einrichtungen sind weiters mehr als 2500 betroffene Menschen untergebracht. Die Zahl der obdach- oder wohnungslosen Menschen in Wien wird auf bis zu 5000 Personen geschätzt. In den meist an männlichen Bedürfnissen orientierten Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe leben rund 500 Frauen. Häufig unterliegen Frauen einer versteckten Obdachlosigkeit, schlüpfen bei Bekannten unter und gehen Zweckpartnerschaften ein. Es entstehen Abhängigkeitsverhältnisse, mit denen Angst, Stress, Sucht und in der Folge Traumata einhergehen.

 

Zur spezifischen Gesundheitssituation von wohnungslosen Frauen gibt es derzeit kaum konkrete wissenschaftliche Daten. Eine Untersuchung aus München (Greiffenhagen 1998) zeigt, dass ca. ein Fünftel der befragten Frauen angeben, sich für Unterkunft und Essen zu prostituieren. Neben finanziellen, familiären, gesundheitlichen, psychischen und Suchtproblemen sind die meisten wohnungslosen Frauen Gewalt ausgesetzt: 69 Prozent der untersuchten wohnungslosen Frauen berichten über Erfahrungen mit körperlicher oder sexueller Gewalt. Die Frauen leben in ständiger Anspannung. 97 Prozent der interviewten Frauen der Münchner Studie klagen über körperliche Beschwerden.

 

Obdach- und wohnungslose Menschen weisen häufig eine hohe Multimorbidität auf - verschiedene Studien nennen u.a. Hauterkrankungen, Atemwegserkrankungen, Hepatitis, Osteoporose, Thrombosen, Infektionskrankheiten, Unterleibserkrankungen und chronische Entzündungen. Viele Krankheiten bleiben lange Zeit unbehandelt, da sich die Betroffenen aus Schamgefühl und Angst vor Zurückweisung nicht in eine ärztliche Ordination wagen. Gesundheitsarbeit mit wohnungslosen Frauen bedarf daher einer ganzheitlichen, multiprofessionellen und mit diversen Einrichtungen kooperierenden Herangehensweise.

 

Ziele

  • Ermöglichung der Inanspruchnahme eines ganzheitlichen Gesundheitsangebotes zur Stabilisierung der psychischen und physischen Gesundheit von wohnungslosen Frauen.
  • Weiterführenden Maßnahmen mit entsprechender Nachsorge.
  • Frühzeitige Interventionen, um teure stationäre Behandlungen und Einlieferungen in Notfallsambulanzen zu vermindern.
  • Stärkung der eigenen gesundheitlichen Ressourcen durch medizinische, sozialarbeiterische und psychologisch-psychosoziale Unterstützung.
  • Aufbau eines multiprofessionellen Netzwerkes innerhalb des regulären Versorgungssystems.
  • Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis zwischen Gesundheits- und Sozialbereich.
  • Erkennen von Ressourcen und Möglichkeiten der unterschiedlichen Einrichtungen hinsichtlich Gesundheitsförderung und -versorgung der Bewohnerinnen.

 

Themenschwerpunkte / Angebote

  • Psychologische / Psychosoziale Beratungen
  • Gynäkologische Sprechstunden
  • Medizinische Informationsrunden
  • Kreativgruppen
  • Körpertherapeutische Tanzgruppen
  • Frauengruppen  

 

Ergebnisse

Das Projekt konnte in zwölf Wiener Wohnungsloseneinrichtungen umgesetzt werden. Die aufsuchenden Angebote bestritten weibliche Ärztinnen, Psychologinnen und Therapeutinnen. Mehr als ein Drittel der wohnungslosen Frauen kam aus eigenem Antrieb in die Gruppen und Beratungen, ein weiters Drittel wurde von Betreuerinnen bzw. Betreuern überwiesen. Die medizinischen Untersuchungen wiesen eine multiple Morbidität, ein sehr hohes Auftreten von Depressionen, Suchterkrankungen, schlechten Cholesterinwerten und Entzündungen auf.

Um die Zielgruppe zu erreichen, erwies sich die multiprofessionelle und ganzheitliche Herangehensweise im Rahmen einer Kooperation von Medizin, Sozialarbeit und psychosozialem Bereich als optimal. Die Behandlung vor Ort trägt dazu bei, Schwellenängst abzubauen und eine Schiene zu regulären Gesundheitsversorgungseinrichtungen zu legen. Jene Frauen, die die gynäkologische Sprechstunde aufgesucht hatten, wurden in eine gynäkologische Ambulanz überwiesen. Der Einsatz weiblicher Professionistinnen, getrenntgeschlechtliche Gruppenangebote und die Zusicherung von Anonymität ermutigten die betroffenen Frauen, das Angebot auch wahrzunehmen. Bei der Evaluierung gaben 100 Prozent der betreuten wohnungslosen Frauen den Wunsch nach einer Weiterführung des Gesundheitsangebotes an. Das zu Projektende erschienene Handbuch fasst  das gewonnene Know how zusammen:  www.fem.at/shared/GWF-Handbuch-Web.pdf

 

Finanzierung 

  • Wiener Programm für Frauengesundheit.
  • Seit 2009 finanziert die Wiener Gesundheitsförderung WiG die Weiterführung des Gesundheitsförderungsprojekts für wohnungslose Frauen

 

Projektträger

  • FEM und Wiener Programm für Frauengesundheit

 

Kooperationspartner

  •  Fachbereich Betreutes Wohnen im Fonds Soziales Wien und Verein NeunerHaus, MEN, PSD Wien

  

Laufzeit

  • September 2005 – 2008

 

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